A: Die Ökologiekrise allgemein
Die Lebensgrundlagen verschlechtern sich. (NA1.1)
Unstrittig ist eine seit etwa 1980 stärker ansteigende Klimaerwärmung, die möglicherweise weitaus schneller fortschreitet als noch Anfang 2007 vorausgesagt. So schmolz das Eis im Bereich des Nordpols drei mal schneller, als es frühere Computermodelle errechneten. Nach neuer Analyse des National Snow and Ice Data Center (NSIDC in USA) ist der Schmelzprozess jetzt seiner Zeit um 30 Jahre voraus (dpa in HA 2. 5. 07). Zusätzlich erwärmend wirkt, dass sich die Sonnenwärmerückstrahlung der ursprünglich weißen, abschmelzenden Schnee- und Eisflächen (Poleis, Grönland, Sibirien etc.) vermindert. So schmilzt die Eisdecke in Grönland doppelt so schnell wie noch vor 2-3 Jahren. „Schnee und Eis reflektieren bis zu 80 % der Sonnenenergie, Wasser absorbiert sie“, warnte Paal Pestrud als Mitautor der Studie zum UN-Umweltprogramm (Unep) (in BN 5. 6. 07). Bis spätestens zum Ende dieses Jahrhunderts wird die Arktis alljährlich im September völlig eisftrei sein. Von 1979 bis 2006 hat sich das Eis im Nordpolargebiet um fast 25 % verringert (Julien Boé und Mitarbeiter dpa in HA 16. 3. 09).
Die zusätzliche Erwärmung ist erheblich – außerdem werden die Meere schneller ansteigen als bislang angenommen. Eine beträchtliche Erhöhung der Deiche wäre als Schutz notwendig – aber auch möglich, wie die teilweise unter dem Nordseespiegel liegenden Niederlade zeigen. Aus den dann früheren Permafrostgebieten entweicht zusätzlich nach dem Tauen des Bodens das rund 1000-mal stärker als CO2 wirkende Treibhausgas Methan.
Zu den katastrophalen Folgen gehören nach einer internationalen Studie sodann Dürreperioden, Missernten, Anstieg des Meeresspiegels und Waldsterben, wenn – wie hier gefolgert wird – die Globaltemperaturen bis 2015 um 2 Grad ansteigen. Federführend waren das britische Institute for Public Policy Research, das Center for American Progress und das Australia Institute (dpa in HA 26. 1. 05). Der Anstieg kann auch größer sein. Fast täglich erreichen uns neue Klimaschock-Meldungen, so beispielsweise am 30. 7. 08: Riesige Eisschollen lösen sich von der Arktisküste - oder - die Temperaturen liegen in diesem Jahr in Deutschland bislang durchschnittlich 1 Grad höher als zuvor - oder - oder - viele wollen schon nichts mehr davon wissen oder sind berechtigterweise in großer Sorge.
Anfang Februar 2009 wurde dann von der größten Dürrekatastrophe Australiens berichtet, rund 200 Menschen kamen bei den Waldbränden ums Leben, es sah aus wie nach einem Krieg, der gesamte Süden des Kontinents war von der Trockenheit betroffen während Teile des Nordens von Australien in Überschwemmungen versank.
Zur gleichen Zeit wurde von dem Gebiet in und um Peking ebenfalls die dort größte Dürre gemeldet. 4 Millionen Chinesen waren zeitweise ohne Trinkwasser. Seit November hatte es nicht mehr geregnet, fast 10 Millionen Hektar Ackerland waren betroffen, in der Provinz Henan war es die größte Dürre seit 1951, also seit fast 60 Jahren. Zur Olympade wurde zusätzlich aus dem Pekinger Umland Wasser zur Begrünung nach Peking gepumpt. Im Norden des Landes wurde schon 2008 von kritischer Wasserknappheit berichtet. Die Landwirte durften deshalb ab 1999 nur noch Weizen anbauen. Der Anbau von Gemüse und Reis war verboten, weil durch diese Pflanzen mehr Wasser verbraucht wurde (ap/ps in ETD Nr. 6, 2009).
Doch damit nicht genug: Wiederum zur gleichen Zeit wurden aus Oklahoma von Wirbelstürmen berichtet. Tornados rissen Dächer ab und verwüsteten die Straßen. Rund 10 Tote und viele Verletzte wurden beklagt, rund 200.000 hatten lange keinen Strom. Der Gouverneur Brad Henry sagte, die Gegend "sieht aus wie ein Kriegsgebiet" (AP in HA 13. 2. 09)
"Man hat geglaubt, bei einem Stop des CO2 Ausstoßes würde sich das Klima in 100, 200 Jahren wieder normalisieren. Das ist nicht wahr", sagte die Klimaforscherin Susan Saloman laut Fachmagazin "Proceedings of the National Academy of Science". - Der Klimawandel ist bereits unumkehrbar, selbst wenn die Kohlendioxyd-Emissionen sofort auf null sinken würden, blieben die Temperaturen bis mindesten bis zum Jahre 3.000 hoch, so die internationale Studie. (AP in HA 28. 1. 09).
Währens die Geburtenzahlen zukünftig vielleicht geringer ansteigen und in den Industrieländern eher rückläufig sind, steigen die Verschmutzung der Meere und der Energieverbrauch erheblich an. Sichtbar ist dies besonders am Aufsteiger und Olympia 2008-Standort China. Die dort durch den Sozialismus verhinderte Innovation wurde dem Land von den westlichen Ländern durch dortige Gemeinschafts-Unternehmensgründungen fast geschenkt. Die alten Kader stiegen in die Firmen zwangsweise mit ein und hatten zwecks eigener Gewinnvermehrung zunächst wenig Interesse am Umweltschutz und an hohen Löhnen. Zum Ergebnis berichtete die Bild-Zeitung (30. 1. 07) über die „Dreck-Schleuder China“. Unter anderem:
16 der 20 schmutzigsten Städte der Welt liegen in China, der Smog in Los Angeles besteht noch zu 25 % aus China-Dreck, bis 2025 soll der Ausstoß an CO2 um 145 % steigen, 350 Millionen haben kein sauberes Trinkwasser.
China versucht aber mit größter Kraft, die Verschmutzung und den Energieverbrauchsanstieg zu vermindern. Vorausplanend brachte das Land trotzdem in vielen Ländern Rohstoffreserven in seinen Einflussbereich. Die Unterdrückung von Freiheit und Religion in Birma und der Einfluss auf den Sudan, mit dem Ergebnis von Hunger und Elend in Darfur, haben einzig in Chinas Rohstoffzukunftsplanung ihren Ursprung.
Ende September 2008 warnte die Europäische Umweltagentur (EEA) in Kopenhagen vor einem Klima-Kollaps in Europa: Die Temperatur steigt schneller als im weltweiten Schnitt. Die Folge sind mehr Hitzetote und mehr Flutkatastrophen. Viele Mittelmeerregionen haben schon jetzt 20 % weniger Regen als vor einem Jahrhundert (dpa 29. 9. 08 in HA). Im Oktober 2008 hieß es dann vom Potsdamm-Institut für Klimafolgenforschung: Die Gletscher schmelzen schneller als erwartet.
Schon im November 2008 warnte dann die Internationale Energie-Agentur (IEA) vor einem Anstieg des Weltklimas um 6 Grad, wenn nicht drastisch gegen gesteuert werde. Die durchschnittliche Temperatur der Erdatmosphäre dürfe aber nach der Kalkulation des Weltklimarates nur um 2,5 Grad steigen. "Um eine katastrophale, irreversible Schädigung des des Weltklimasystems zu vermeiden, muss der Ausstoß an Treibhausgasen aus den weltweiten Energieversorgungsquellen massiv gesenkt werden, sagte IEA-Präsident Nobua Tanaka bei der Vorstellung des 500 Seiten umfassenden "World Energy Outlook" in London. Die IEA hat ihren Sitz in Paris (aus Olaf Preuß in HA 13. 11. 08). Wir müssen effizient mit der Energie umgehen, mehr Geld in die Forschung und Entwicklung investieren, erneuerbare Energie, wie Windkraft, Solarenergie und Wasserkraft stärker ausbauen - und, wo sie akzeptiert wird, die Kernkraft nutzen (aus 12. 11. 08 Volker Mrasek im Deutschlandfunk).
Die OECD erhöhte am 10. 11. 08 ihre Kostenprognose für den Klimaschutz, weil der so langsam vorankommt. Weiteres Zögern macht den Klimaschutz noch teurer. - Auf den Malediven plant die Regierung bereits den Umzug der Bevölkerung, evtl. nach Australien oder Indien (aus AP/hi in HA 11. 11. 08).
Als Ergebnis brachten die Naturkatastrophen 2008 220.000 Tote und 200 Milliarden Dollar Schäden. Im Vergleich zum Vorjahr stiegen die Schäden dabei um 118 Milliarden Dollar. Eine Verdoppelung innerhalb eines Jahres (in Nachrichten.t-online.de nach Quelle AP 29. 12. 08).
Anfang März 2009 wurden zur Vorbereitung einer neuen Prognose des IPCC aufgrund umfassender Beobachtungen neue Forschungsergebnisse bekannt: Der Meeresspiegel könnte sich in den kommenden 90 Jahren um 1 Meter heben. Dies würde die Wohngebiete von 10 % der Erdbevölkerung treffen. Es wären dann mehrmals pro Jahr Jahrhundertfluten zu befürchten (dpa in HA 11. 3. 09).
Zusätzlich stellten die Uni Wageningen und das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung fest, dass sich das Erdklima, wenn es über kritische Grenzen hinaus belastet wird, schlagartig ändern kann. Die Forscher entdeckten, dass 8 früheren Ereignissen plötzlichen Klimawandelns chrakterische Signale vorausgegangen waren. Diese Kipp-Punkte gelte es vorher zu erkennen (ang/ 5. 10 in HA).
Schmelzende Pole und Flüchtlinge (NA 1.2)
Überschrieb Philip Volkmann.Schluck seinen Bericht zur Vorbereitung eines EU-Gipfels, der wiederum den Klimaschutzgipfel in Kopenhagen vorbereiten sollte (am 11. 6. 09 in HA). Forscher errechneten im Auftrag der Vereinten Nationen: "Bis zum Jahre 2050 könnten rund 200 Millionen Menschen aufgrund des Klimawandels auf der Flucht vor Überschwemmungen sein." Besiedelte Flussgebiete in Asien wären dabei besonders betroffen, wenn die Pole weiter abtauen und der Meeresspiegel dadurch ansteigt. Ohne wirksame Gegenmaßnahmen gegen die globale Erwärmung könnten die Fluchtbewegungen "alles bisher Dagewesene" übertreffen. "Experten sind sich weltweit darin einig, dass die Pole mit jedem Jahr stärker abschmelzen. 'Im schlimmsten Fall könnte die Arktis im Spätsommer des Jahres 2020 völlig eisfrei sein', sagte dazu Prof. Kaleschke dem Abendblatt (11. 6. 09 in HA).
Prof. Lars Kelschka vom Klima Campus Hamburg berichtete schon früher (20. 8. 08/hi in HA), dass das Arktis-Eis rekordverdächtig schwindet. Bereits einen Monat früher als im letzten Jahr 2007 nähere es sich der geringsten Ausdehnung. Ende Dezember 2008 warnte der Leiter des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung in der Saarbrücker Zeitung dann: "Wir sind auf dem Weg zur Destabilierung des Weltklimas schon viel weiter fortgeschritten, als die meisten Menschen und ihre Regierungen denken" (dpa 29. 12. 08 in HA).
WWF teilte in Anchorage (Alaska) mit, dass sich 9 Bären schwimmend auf die Suche nach einer neuen Heimat gemacht hätten, weil ihre alte Heimat wegen der anhaltenden Verkleinerung durch die Schmelze keine Nahrung mehr bot. Die Bären hätten aber noch 70 km zu schwimmen und würden dies wohl kaum noch schaffen können (23./24. 8. 08 dpa in HA). Knapp ein Drittel der 436 Eisbären, die ein Forscherteam der University of Alberta (Kanada) laut Journal "Polar Biology" im Polarmeer nördlich von Alaska untersuchten, litt an Hunger. Der Rückgang des Eises beschert ihnen immer weniger Beute (dpa/17/18. 1. 09 in HA).
Vom Drama in der Antarktis berichtet Katrin Nürnberger (London in HA 20. 8. 08): Statt Schnee fällt immer öfter Regen gegen den das Gefieder der Pinguine keinen Schutz bietet. Die rasante Erwärmung der Erde könnte dazu führen, dass die kleinen Adeliepinguine in 10 Jahren ausgestorben sind. Jon Bowermaster wird zitiert mit "zu beobachten, wie die Pinguine um die Skelette ihrer Jungen laufen, ist der gewaltigste Beweis für den Klimawandel".
Der Hamburger Klimaforscher Prof. Hartmut Graßl betonte auf dem 19. Meeresumwelt-Symposium vor 400 Fachleuten am 9. 6. 09, dass die Arktis der empfindlichste Teil unseres Klimasystems ist (A. Hillmer in HA 10. 6. 09). Das Schicksal der Eisfläche auf dem Nordpolarmeer wird mit entscheiden, wie stark die Menschheit unter den Folgen der Erwärmung leiden wird.
"Der Nordpol erwärmt sich stärker als alle anderen Erdregionen, aber auch in Nord- und Ostsee ist der Temperaturanstieg deutlich. 'Die Nordsee ist an der Oberfläche heute 2 Grad wärmer als vor 20 Jahren' (hi in HA 10. 6. 09)".
Im November 2011 hieß es (lt. T-Online.de 11. 11. 2011, 9.15 Uhr): "Es zeigt sich, dass die Realität die Modelle überholt". Zitiert wurde der Klimaexperte Stefan Rahmstorf vom Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung (PIK).
"Bei der Fläche des arktischen Meereises sei 2011 für den Juli eine neuer Negativrekord verzeichnet worden. Die Dicke der Eisdecke sei viermal schneller geschrumpft als im Mittel der bisherigen Prognosen angenommen. Generell liege die Eismasse 'weit unrer den Modellen des Weltklimarates IPCC' sagte Rahmstorf.
Der gleiche Trend sei beim Festlandeis Grönlands zu verzeichnen. Als Konsequenz dürfte der Meeresspiegel bis 2100 weltweit um 50 cm bis 190 cm ansteigen. Als mittlerer Wert sei ein Anstieg um 1,0 m zu erwarten. Die mittlere Anstiegsprognose des IPCC lag bisher bei 30-40 cm weltweit. Außerdem wies Rahmstorf auf die zunehmende Häufung von Extremwetterereignissen hin.
Zur Weltklimakonferenz in Durban sagte PIK-Vizechef Ottmar Edenhofer u. a.: Verhandelt werden sollte auch über eine Technologiepolitik zugunsten erneuerbarer Energien und den Abbau von Subventionen für fossile Energieträger mit weltweit 2010 von 409 Mrd. §.
Nachhaltige Entwicklung in Deutschland (NA 1.3)
Das statistische Bundesamt behandelt in seiner jährlichen Dokumentation das "magische Dreieck der Nachhaltigkeit aus Ökologie, Ökonomie + Sozialem (unter www.destatis.de abrufbar): Darin werden statistische Angaben zur Ressourcenschonung, den Treibhausgasemissionen, den erneuerbaren Energien, der Siedlungs- und Verkehrsfläche, der Artenvielfalt, der Staatsverschuldung und Zukunftsvorsorge, der Innovation und Bildung, der Lebensqualität und dem sozialen Zusammenhalt gemacht.
Ein Beispiel nachhaltigen Handelns aus der Praxis der Energieeinsparung bei der Gebäudebeheizung in Deutschland: Bei der Mineralwolle-Isolierstoffanlieferung wird alte und zu dünne Mineralwolle kostenlos mitgenommen, eingeschmolzen und zu neuer Isolierung verarbeitet. (siehe z. B. Pro Umwelt Adressen).
Die Finanz- und Wirtschaftskrise zeigte jedem, dass Deutschland nicht allein in der Welt ist, dass bei Geldverleih in andere Länder nicht nur Gewinne, sondern auch Verluste anfallen können, Verluste vor allem dann, wenn das Geld nicht in nachhaltige Unternehmungen und Anlagen investiert wurde. Wir benötigen eine "Nachhaltige Volkswirtschaft". - Und tatsächlich sind diejenigen Branchen, die an einer nachhaltigen Zukunft arbeiten, wie die Elektro- und Solar- oder die Maschinentechnik, kaum von der Wirtschaftskrise betroffen, ganz anders als die nicht nachhaltigen Automodelle. Hierbei kommt allerdings die langsame Politikerüberlegung über die richtige Besteuerung hinzu. Siehe hierzu (ab 3/09) auch www.nachhaltige-volkswirtschaft.de.
Nach einer Studie des EU-Statistikamtes produziert jeder EU-Bürger 522 kg Müll durchschnittlich pro Jahr. In Tschechien sind es dabei nur 294 kg, in Dänemark 801 kg und in Deutschland 564 kg. Abfälle aus der Landwirtschaft und Tierexkremente und -kadaver wurden dabei nicht berücksichtigt (11. 3. 09 in HA).
Viele Betrieb geben auch in Deutschland (in vielen anderen Ländern wird darauf viel weniger geachtet) Unmengen an Schadstoffen in die Luft oder in das Wasser ab. Das Umweltbundesamt hat das Schadstoffregister für jeden größeren Betrieb unter www.prtr.bund.de in das Internet gestellt.
Vorbild "One Planet Living" (NA 1.4)
Weil wir nur einen Planeten zum Leben haben, gilt es, dieses Leben zu erhalten. Dazu haben WWF und BioRegional die glabale Initiative "One Planet Living" gegründet.
One Planet Living hat 10 Kriterien zum Thema "Nachhaltiges Handeln" erarbeitet:
- Null CO2: Verwirklichung eines CO2-neutralen Lebensstils (hier in den One-Planet-Living-Siedlungen).
- Null Abfall: Eliminierung des Mülltransports zu Deponien und Verbrennungsanlagen.
- Nachhaltiger Transport: Reduzierte Nutzung von Privatwagen und deutliche verringerung der CO2 Emissionen im Straßenverkehr.
- Regionale und nachhaltige Materialien: Umstellung der Meterialversorgung zur Förderung von Umwelt, regionaler Wirtschaft und Gesundheit.
- Regionale und nachhaltige Lebensmittel: Umstellung der Lebensmittelversorgung zur Förderung von Umwelt, regionaler Wirtschaft und Gesundheit.
- Nachhaltige Wasserversorgung: Förderung lokaler Wasservorräte und -versorgungswege.
- Natürlicher Lebensraum und Artenvielfalt: Regenerierung zerstörter Lebensräume und Aufrechterhaltung der Biodiversität.
- Kultur und historisches Erbe: Schutz und Pflege des lokalen Kulturerbes und seiner Vielfalt.
- Gerechtigkeit und fairer Handel: Sicherstellung des positiven Einflusses der "One Planet Living" Gemeinschaft auf andere Gemeinschaften.
- Gesundheit und Zufriedenheit: Verbesserung der Gesundheit und Lebensqualität der Gemeinschaftsmitglieder und anderer Menschen.
(In Daylight & Architecture, Frühjahr 08/Nr. 8, www.velux.com/)
Leider nähern wir uns diesen Zielen nicht, sondern enfernen uns davon: Der am 29. 10. 08 in Berlin vorgestellte "Living Planet Report 2008" zeigte gegenüber der Studie 2006 drastische Verschlechterungen auf: WWF-Naturschutzdirektor Christoph Heinrich warnte: "Wir übersteigen mit unserem Konsum die vorhandenhen Möglichkeiten um ein Drittel."
Wenn der Verbrauch so weitergehe, würden bereits 2035 zwei Planeten benötigt, um unseren Bedarf an Nahrung, Energie und Fläche zu decken. Der Report 2006 hatte noch eine Frist bis 2050 errechnet. WWF fordert weltweite Maßnehmepakete zur Nachhaltigkeit. Auch die Artenvielfalt schrumpft bedrohlich. "Die ökologische Krise wird uns um eine Vielfaches härter treffen als die aktuelle Finanzkrise und früher oder später das Wohlergehen und die Entwicklung aller Nationen gefährden", sagte Heinrich voraus. Verantwortlich dafür seien neben dem stark steigenden Reccourcenverbrauch die weltweite Entwaldung, der Klimawandel, die Umweltverschmutzung und Überfischung (dpa in HA 29. 10 08).
Im Internet unter: www.oneplanetliving.org und www.bioregional.com
Zusammengefasst:
Nachhaltig ökologisches Handeln bedeutet: Weniger Spurengase - Null Abfall -Nachhaltiger Transport - Regionale und nachhaltige Materialien - Regionale und nachhaltige Lebensmittel - Nachhaltige Wasserversorgung - Natürlicher Lebensraum und Artenvielfalt -
Hinzu kommen Kultur und historisches Erbe - Soziale Gerechtigkeit und fairer Handel -Gesundheit und Zufriedenheit - zusammen einmündend in eine www.nachhaltige-ökonomie.de .
B: Der Wald
Land- u. Forstwirtschaft als Haupt-CO2-verursacher? (NA 1.5)
Beim sich vergrößernden Treibhauseffekt wird dem Methangas die größte Wirkung zugeschrieben, dass von der Land- und Forstwirtschaft, sowie Sumpfgebieten entweicht.
Man sollte sich nicht nur auf CO 2 konzentrieren, Methan und Lachgas aus der Viehhaltung, dem Reisanbau und der Stickstoffdüngung in der Landwirtschaft sind schädlicher. (IPCC-Bericht 07 nach FTD 22. 2. 07)
Bei der Land- und Forstwirtschaft sind viele Gründe für Treibhausgaserzeugung zu nennen: Zunächst der Holzraubbau: Eine CO2-Verminderung wird immer noch als Hauptweg zum Ziel der Klimaerwärmungsverminderung angesehen. Dabei wird, wie so oft, der Weg zum Ziel und dadurch auch vielleicht zu einem teilweisen Irrweg.
Die positive Bio-Landwirtschaft und die Forstwirtschaft (nicht die Abholzung) müssten intensiv gefördert werden. Der Straßenverkehr und die industrielle Landwirtschaft sind nach dem aktuellen Waldzustandsbericht des BUND Hauptschuldige des Waldsterbens. „Über 70 % des Waldes sind sichtbar krank, etwas 25 % davon gelten als schwer geschädigt.“ Neben den Nadelbäumen leiden nun auch die Laubbäume verstärkt unter den Umweltbelastungen (epd 31. 1. 08 in HA).
Der Präsident des Umweltbundesamtes mahnte eine bessere Förderung des Ökolandbaus für die Übergangszeit an. Der Ökolandbau sei wesentlich klimafreundlicher als der konventionelle Anbau (ap/jel in ETD Nr. 6/08).
Land- und Forstwirtschaft sind (siehe auch Spurengase + Erwärmung) die Haupverursacher von Kohlendioxyd - Tendenz ansteigend, insbesondere auch durch die oft verordnete Beimischung von Biotreibstoffen.
Kohlendioxyd durch Holzraubbau (NA 1.6)
Ein Beispiel dazu: Am 25. 11. 2003 berichtete der indonesische Journalist Abi Kusno Nachran in der Hamburger Universität für Wirtschaft und Politik (HWP) über seinen Kampf gegen die Holzmafia. Er hatte in Hamburg gerade aus dem Dr. Götze Geo-Preis 12.000 € erhalten, die er für diesen Kampf, für den Druck seiner Zeitschrift einsetzen wollte. Er sollte durch die Holzmaffia getötet werden, weil durch seine Recherchen 2001 ein Schiff mit 54 000 cbm illegal geschlagenem Holz beschlagnahmt wurde. Er überstand mit schweren Verletzungen den Mordanschlag. Den Tätern geschah nichts, weil die Politiker in seinem Lande (und in vielen anderen Ländern) oft mit der Maffia zusammenarbeiten. Ihm wurde in Hamburg durch Spenden so geholfen, dass sein schwer beschädigter Arm erhalten werden konnte.
Herr Nachran berichtete weiter, dass auch Deutschland die Waldzerstörung fördere, zum Beispiel mit staatlichen Hermesbürgschaften an asiatische Papierfabriken – oder durch den Import von Bauholz und Möbeln (Angelika Hillmer, 24. 11. 03 in HA).
Zu den Vorwürfen von Herrn Nachran zur deutschen Waldzerstörung und damit auch CO2-Erhöhungsförderung: Altwälder können sogar die CO2-Emissionen erhöhen, junge Wälder schlucken dagegen die Emissionen. (B. Epping in Bild der Wissenschaft 5/2003). Eine Forstwirtschaft und Aufforstung junger Wälder, wie in Deutschland üblich, wäre also besonders wichtig.
Fast sämtliches Bauholz und fast sämtliche Papierrohstoffe, die in Deutschland verarbeitet werden, kommen aus Ländern, in denen Raubbau betrieben und nicht aufgeforstet wird (auch, wenn oft das Gegenteil behauptet wird). Das Material wird außerdem über weite Strecken transportiert. Stattdessen wird bei heimischen Wäldern oft eine geregelte Forstwirtschaft verhindert oder sie ist nicht mehr rentabel, Waldgebiete werden unter Naturschutz gestellt (Ende 2003 die Eifel). Oder der Wald wird an China verkauft und dies wird durch Entwicklungshilfe selbst bezahlt (siehe auch www.soziales-deutschland.eu
Allerdings sind gerade in Deutschland und Europa Bestrebungen vorhanden, dies zu ändern. So können Nadelhölzer heute so behandelt werden, dass sie ungefähr Tropenhölzen entsprechen, die dann nicht mehr abgeholzt zu werden brauchen. Beispielsweise siehe hierzu bei Holzfenstern: www.menck-fenster.de
Der brasilianische Regenwald, oft als „grüne Lunge der Erde“ bezeichnet, wird weiterhin in größter Geschwindigkeit abgeholzt und abgebrannt. Nach Regierungsangaben wuchs die monatliche Zerstörung von 234 Quadtratkilometer im August 2007 auf 948 Quadratkilometer im Dezember 2007 (dpa in HA 25. 1. 08).
Der Regenwald umfasst (noch) ungefähr die Größe von Europa. Die wenigen staatlichen Aufpasser werden entweder gekauft oder umgebracht. Dann wird das Gelände großflächig abgeholzt oder abgebrannt und sodann meistens mit (Gen-)Sojapflanzen bebaut, die für Kraftstoffe oder Futtermittel verwendet werden. Bis auf einen Unternehmer mit Privatarmee sind hier meistens ausländische Firmen tätig (14. 2. 08 im Deutschlandfunk).
Dies braucht aber nicht zu bedeuten, dass dann wirklich weniger CO 2 absorbiert oder Sauerstoff abgegeben wird. Erst eine Wiederaufforstung würde dies mit Sicherheit bewirken.
Altwälder geben Kohlendioxyd ab (NA 1.7)
Altwälder können sogar die CO 2 -Emissionen erhöhen, junge Wälder schlucken dagegen die Emissionen. Dies wurde bei genauen Untersuchungen auch über der angeblichen „grünen Lunge der Erde“, den Regenwäldern des Amazonas, festgestellt (B. Epping in Bild der Wissenschaft 5/2003). Eine Forstwirtschaft und Aufforstung junger Wälder, wie in Deutschland üblich, wäre also besonders wichtig. Ein Export guter Forstwirtschaft in andere Länder wäre sicher notwendig. Ganz nebenbei sind auch in Europa noch viele Gebiete aufzuforsten.
Der Landschaftsarchitekt Lars Michel aus Goslar erläutert (Deutsches Architektenblatt 02/08) genau die CO 2 Bindung, aber auch die andererseits meistens vergessene Abgabe durch Bäume wie folgt: „Es ist richtig, dass bei der Fotosynthese unter Nutzung der Energie des Sonnenlichtes aus Wasser und Kohlendioxyd Sauerstoff freigesetzt und Kohlenstoff gebunden wird. Bei diesem Prozess setzt ein großer, alter Baum eine erhebliche Stoffmenge um. Des Nachts veratmet ein Baum allerdings, wie jedes andere Klebewesen, zur Aufrechterhaltung seines Stoffwechsels wiederum Sauerstoff und setzt CO 2 frei. Zudem wird der in der Blattmasse gebundene Kohlenstoff bei Zersetzung der Blätter…auch als CO 2 freigesetzt.
Das größte CO 2 Bindungspotential kommt daher Jungbäumen zu, die den größten Holzzuwachs noch vor sich haben. Klimarelevant sind daher schwerpunktmäßig die Neugründung von Waldbeständen und die Verwendung von dauerhaften Holzprodukten (zum Beispiel als Bauholz), nicht die Erhaltung (auch einzelner) alter Stadt- Bäume (aus Lars Michel in DA 02/08).
Die genannten Berichte weisen darauf hin, dass in Wirklichkeit oft ein Sauerstoffverbrauch vorhanden ist, wo eine Abgabe vermutet wird. In jedem Krankenhaus weiß man dies und stellt wegen ihrer CO 2 -Abgabe die Zimmerpflanzen nachts vor die Tür.
China zählt heute nach Regierungsangaben zu den weltweit aktivsten Staaten bei der Aufforstung. Jährlich würden vier Millionen Hektar Land bewaldet, das sind 40.000 Quadratkilometer, also 200 mal 200 Kilometer, ungefähr jedes Jahr die Fläche von Mecklenburg oder Sachsen. Eine Maßnahme im Kampf gegen den Klimawandel (z. T. aus hi, 4. 2. 08 HA) und auch gegen die von Maos Sozialismus angerichtete Wüste von einem Drittel Chinas.
In vielen Ländern Waldverbrauch durch Bio-Sprit (NA 1.8)
Die Nachfrage nach Palmöl zur Bio-Energie-Verarbeitung bedroht die etwa 300 Völker, die von und in indonesischen Wäldern leben. Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) schreibt weiter:
„Die Palmöl-Industrie gehört nicht nur zu den größten Regenwald-Vernichtern, sondern verletzt auch systematisch grundlegende Menschenrechte…“ (GfbV)
Die Bundesregierung wird aufgefordert, die Förderung von Palmöl auszusetzen. Der Umweltverband WWF meldet sodann, dass Rodungen auf dem malaysischen Teil der Insel Borneo die letzten Lebensräume der stark bedrohten Zwergelefanten vernichtet werden (hi in HA 10. 8. 07). Nach den Rodungen wird die Landwirtschaft dann mit Kunstdünger betrieben, der wiederum CO2 abgibt. Infos zum Palmöl unter www.rsp.org .
Im Februar 2008 gab die Umweltexpertin Angelika Hillmer (HA 20. 2. 08) die Aussagen der zwei indonesischen Umweltschützer Irawan und Nordin teilweise wortwörtlich wieder: „Das Palmöl raubt uns den Wald und damit die Existenz“, und weiter: „Es kann doch nicht sein, dass Autos unser Fett wegessen.“ Ähnlich dem Bericht aus Afrika über den Viktoria-See, werden auch hier die Einheimischen brotlos, zusätzlich werden die Wälder, hier in Südkalimanta auf Borneo, vernichtet – und die letzten Orang-Utans ebenfalls. Ende 2006 gab es dort etwa 200.000 Hektar Palmöl-Plantagen und Ende 2007 schon 600.000 Hektar. Es sollen bis zu 4,5 Millionen Hektar werden. Der Bericht endete mit Nordins Worten: „Es darf kein Öko-Label für Palmöl geben, denn eine Monokultur kann nicht nachhaltig sein. Ein Label liefert den Konzernen nur ein Argument, ihr zerstörerisches Geschäft fortzusetzen.“ Das NDR-Fernsehen brachte das Thema am 25. 2. um 23 Uhr unter dem Titel: „Hier Bio, dort Tod: Vom Sterben des Orang-Utan.“
Als großer Irrtum stellte sich die angebliche CO2-Verminderung durch Biodiesel, der jetzt in vielen Ländern vermehrt dem Normaldiesel beigemischt werden muss, heraus: Über das schon negativ erwähnte Indonesien konnte man Anfang 2007 lesen, dass die Hauptstadt Jarkarta größtenteils überschwemmte, weil früher umliegend die Wälder zwecks Nutzung abgeholzt wurden. Außerdem wurden riesige CO2 bindende Torfgebiete zur Gewinnung von Biodiesel in Ölplantagen umgewandelt. Dies machte Indonesien bis 2006 mit 2,0 Mrd. zum viertgrößten CO2-Produzenten, nach USA, China und Europa.
Zum gleichen Thema berichtete Herr Schenck aus Ibarra in Ecuador (in WamS Nr. 6 2007 als Leser), dass in Indonesien, Malaysia, Brasilien und Ecuador die Regenwälder großflächig zur Produktion von Biokraftstoffen gerodet und niedergebrannt werden. Es werden riesige Mengen des in der Vegetation und im Urwaldboden gebundenen Kohlendioxyds in die Atmosphäre freigesetzt…- „dadurch verlieren die ehemaligen Waldbesitzer, überwiegend arme Kleinbauern, ihren traditionellen Landbesitz, ihre Lebensgrundlagen und sozialen Wurzeln. Den Bedarf an Biokraftstoffen in Deutschland durch den Import aus Entwicklungsländern zu decken ist unter diesen Bedingungen unvertretbar, kontraproduktiv und geht auf Kosten von Mensch, Natur und Weltklima. Wichtigstes Ziel muss deshalb weiterhin der rationelle Umgang mit Energie sein und die genaue Untersuchung, welche Energieträger wirklich umweltfreundlich und sozialverträglich sind.
Der "Wissenschaftliche Beirat für globale Umweltveränderungen" (WBGU) sagte, dass sich mittelfristig nur 10 % des Weltenergiebedarfs durch pflanzliche Energieträger oder Fäkalien decken lassen. Sodann heißt es: "Heutige Biokraftstoffe der ersten Generation, wie Biodiesel aus Raps oder Bioethanol aus Mais, sind für den Klimaschutz ungeeignet" (hi in HA 5. 12. 08).
Der Ernährungswissenschaftler Peter Glasauer von der Welternährungsorganisation FAO sagte beim 46. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) in Gießen, dass weltweit die Anzahl der Unterernährten wegen Anstiegs der Nahrungspreise zunehme. Verantwortlich für die Preisanstiege sei "zum großen Teil" der Anbau von Pflanzen für die Produktion von Bio-Treibstoffen. "Das trifft vor allem die armen Bevölkerungsschichten in den Entwicklungsländern." Weltweit stehe genügend Ackerland zur Verfügung, um Nahrung für alle Menschen zu produzieren (epd in HA 13. 3. 09).
Trotzdem werden in Deutschland und der EU Biokraftstoffe, vornehmlich aus Rapsöl, den Treibstoffen nach dem Quotengesetz von 2007 zugesetzt, den Hunger in der Welt sinnlos verschlimmernd. Von Deutschland konnte gerade noch eine weitere Quotenerhöhung durch die EU verhindert werden. Ab 2011 sollte die Quote dann trotzdem auf 10 % heraufgesetzt werden. Umweltverbände, wie WWF, wiesen darauf hin, dass dafür Wälder gerodet und Feuchtgebiete trockengelegt würden, und dies so viel Treibhausgase freisetzen würde, wie 26 Mio. Autos, dass der Anbau von pflanzlichen Biokraftstoffen weltweit bis 2020 bis zu 69.000 qkm Futter- und Lebensmittelanbaufläche verdrängen würde (u. a. hi 9. 11. 10 in HA).
Der Holz- und Pflanzenraubbau (NA 1.9)
Eine Kohlendioxyd-Verminderung wird immer als Hauptweg zum Ziel der Klimaerwärmungsverminderung angesehen. Dabei sollten aber keine Irrwege eingeschlagen werden.
Fast sämtliches Bauholz und fast sämtliche Papierrohstoffe, die in Deutschland verarbeitet werden, kommen aus Ländern, in denen Raubbau betrieben und nicht aufgeforstet wird (auch, wenn oft das Gegenteil behauptet wird). Das Material wird außerdem über weite Strecken transportiert. Stattdessen wird bei heimischen Wälder oft eine geregelte Forstwirtschaft verhindert oder sie ist nicht mehr rentabel, Waldgebiete werden unter Naturschutz gestellt (Ende 2003 die Eifel). Oder der Wald wird an China verkauft und dies wird durch Entwicklungshilfe selbst bezahlt.
Weil das Holz weniger CO2 abgibt als das Gas, das Öl oder die Kohle, wird die Beheizung mit Holz oder Holz-Pellets als CO2 sparende Alternative empfohlen. Während im Jahre 2000 erst rund 1000 Anlagen in Betrieb waren, sind es 2006 schon rund 70.000 Anlagen. Das Holz zur Papier- und Möbelherstellung wird schon knapp. Es ist kein ausreichendes Holzangebot auf Dauer in Deutschland vorhanden (Bernward Janzing in DER SPIEGEL 50/06). Schon jetzt werden aber Importhölzer durch teilweisen Raubbau CO2 erhöhend abgeholzt. Diese angeblich alternative Energiequelle scheint also ein Irrtum zu sein. Ein Irrweg, der leicht kriminelles Handeln in fernen Ländern fördert und die Wald-CO 2 -Absorbtion durch Waldabholzung schon jetzt erheblich vermindert.
Und weiter: "Der Plastikpropfen bedroht die einzigartigen Korkeichenwälder am Mittelmeer" (in DER SPIEGEL 46/08). Also Wein und Sekt mit Kork- statt Plastikpropfen bevorzugen.
Der Naturschutzbund (Nabu) warnte (19. 8. 08 in HA/hi) vor einem "Ausverkauf in Deutschlands Wäldern", weil nicht nur deutlich mehr Holz geschlagen, sondern auch das Restholz zunehmend als Biomasse Verwendung finden würde. Von den Baumresten lebten aber hoch spezialisierte Tiere und Pflanzen. Sie warnen vor Nährstoffmangel und Artenarmut.
Artenreiche Wälder speichern den Kohlenstoff besonders, während etwa 20 % der Treibhausgase durch die Vernichtung von Wäldern entstehen. Deshalb soll der globale Waldschutz in das Klimaabkommen integriert werden. Das Umweltprogramm der Vereinten nationen (Unep) stellte dazu im Dezember 08 in Posen eine Karte vor, die laufend erweitert werden soll. Siehe www.unep.wcmc.org . (aus A. Hillmer in HA 8. 12. 08).
Den Wald retten (NA 1.10)
Waldaktien können beispielsweise Wald retten: Eine Idee, die zuerst vom Landestourismusverband und dem Umweltministerium Mecklenburg-Vorpommern umgesetzt wurde. Über das Internet (www.waldaktie.de) oder im Urlaub können Umweltbewusste für 10 € pro Stück Waldaktien erwerben und damit sogar den urlaubsbedingten Mehrverbrauch an Kohlendioxyd ausgleichen. Mehr als 200 "Waldaktionäre" sind tatsächlich zum Spaß des Pflanzens im Urlaub erschienen, um Mischwald Setzlinge zu Pflanzen. Und schon wachsen die Klimawälder: 2500 Eichen und kiefern auf 2,5 Hektar in Glowe auf Rügen. Oder in Mirow in der der Mecklenburgischen Seenplatte weitere 2,5 Hektar Roterlen. Oder in Schuenhagen auf der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst, oder in Koserow auf Usedom - es soll immer weiter gehen.
Die Niedersächsische Forstverwaltung hat zusammen mit dem Naturschutzbund Nabu (siehe Pro Umwelt-Adressen) ähnliche Projekte begonnen. Im Solling wurde das erste Projekt Klimawald gestartet.
Zur Zeit sollen alle Waldgebiete rund 1/4 der globalen Kohlendioxydemissionen schlucken. Eine Erhöhung der Durchschnittstemperaturen um nur 2,5 Grad Celsius im Vergleich zur vorindustriellen Zeit nehme den Wälder, nach einer neuen Studie, die Fähigkeit als Kohlendioxydregulator. Forstexperten befürchten, dass die Wälder durch den Klimawandel ihre Kapazität als Speicher von Treibhausgasen weitgehend verlieren würden (dpa in HA 17. 4. 09).
Al Fortschritt wird bereits eine geringere Zerstörung des Regenwaldes gemeldet. von August 2009 bis August 2010 seien nur 6451 qm lt. Brasiliens Regierung zerstört worden. 14 % weniger als im Vorjahr (AFP in HA 2. 12. 10).
Waldbrände beschleunigen, nach Untersuchung der Welternährungsorganisation, den Klimawandel. Die hauptsächlich durch Menschen verursachten Megafeuer nehmen zu und beschleunigen den Klimawandel, erklärte der FAO-Waldexperte Peter van Lierop auf einer Konferenz zu Waldbränden (KNA 12. 5. 2011 in HA).
C: Das Meer
Tote Nord- und Ostsee durch Verschmutzung (NA 1.11)
Die Meeresverschmutzung: Im Januar 2008 schlugen Umweltverbände Alarm, dass in der Ostsee noch die unglaubliche Menge von 350.000 t Munition liegen soll, die dringend gehoben werden müssten. Das Berliner Leibnitz-Institut wird hier untersuchend mit Millionen Aufwand tätig, wurde geschrieben. Doch sind damit die Stoffe noch nicht entfernt. Handeln wäre geboten. In der Lübecker Bucht sollen allein 13 Flaschen mit 520 Ltr. Chlorgas lagern (dpa in HA 6. 2. 08). Dies war Anfang 2008.
2011 hieß es dann: 1,6 Millionen Tonnen Munition aus dem 2. Weltkrieg lagern noch in den deutschen Gebieten von Nord- und Ostsee. Zu diesem Ergebnis kam eine Arbeitsgruppe der Länder Niedersachen, Schleswig-Holstein und des Bundes (Bericht i. d. Osnabrücker Zeitung lt. T-Online 10. 11. 2011, 12,22 Uhr).
Zusätzlich bleibt die Ostsee das Klo der Kreuzfahrtschiffe. Nach WWF Angaben gelangen weiterhin die Abwässer von bis zu 300 Kreuzfahrtschiffen jährlich in die Ostsee. Eine Ausnahme würden nach WWF-Angaben lediglich die Reedereien Deilmann, Hurtigrouten und Aida Cruises machen (EPD in HA 2. 7. 08).
Ende August 08 bemängelte WWF, dass alle 9 Ostsee-Anrainer-Staaten bei weitem nicht genug für den Schutz der Ostsee tun. Beim WWF-Standart beim Naturschutz, der Schadstoffbelastung, der Fischerei und der Schiffahrt (Deilmann bei der Reinlichkeit vorn) siegt Deutschland mit einer Umsetzung von 50 % und Polen bildet das Schlusslicht.
Auch im Bereich der deutschen Nordseeküste lagern aus beiden Weltkriegen rund 400.000 Munition. Mindestens 115 Personen sind durch Munitionsunfälle bereits getötet worden. Hinzu kommt noch ebenfalls versenkte Bundeswehr-Munition. Darauf wies die Umweltorganisationmj Aktionskonferenz Nordsee (AKN) hin (dpa 2. 4. 08 in HA).
Außerdem schwimmt in der Nordsee immer mehr Plastikmüll. Obwohl ca. 70 % des Mülls auf den Meeresboden sinken, ergab eine Hochrechnung allein für die Deutsche Bucht eine schwimmende Müllmenge von etwa 8 Millionen Müllteilen pro Jahr. Der Plastikanteil stieg in nur 5 Jahren um 10 %. Hauptverursacher sind dabei die Schiffahrt, die Bohrinseln und die Fischerei (ddp in HA 9. 5. 08) . Die Verschmutzung in allen anderen Meeren ist ähnlich hoch. Flora und Fauna im Meer sterben ab - der Hunger nimmt zu.
Nahrungsverlust durch Überfischung (NA 1.12)
Eine ungezügelte Überfischung und Verschmutzung der Meere und Seen führt dazu, dass sich der Mensch einer im Normalfall gesunden Hauptnahrung, des Fisches, selbst beraubt. So berichtet beispielsweise José Ingles (von WWF- Philippinen) auf der Jahrestagung der US-Forschervereinigung AAAS in Boston, dass die Gefahr bestehe, dass auch beim Thunfisch durch die Überfischung, wie schon beim Kabeljau, ganze Wirtschaftszweige zusammenbrechen (19. 2. 08 dpa in HA).
Eine neue Studie des Uno-Umweltprogramms zeigte, dass die durch Überfischung bedrohten Fischbestände durch die Meeresverschmutzung und den Klimawandel noch stärker gefährdet sind. Bis 15 % der Weltmeere seien sehr viel mehr geschädigt als bislang angenommen (dpa in HA 25. 2. 08).
„Darwins Nightmare“ heißt der früher oscarnominierte Film des österreichischen Dokumentarfilmers Sauper: Er beschreibt darin, wie das Aussetzen von 35 Nilbarschen im Viktoria-See durch einen englischen Kolonialbeamten in den 60er Jahren die heutigen Lebensgrundlagen von vielen Millionen Menschen zerstörte. Hans-Joachim Noack war von „Darwins Alptraum“ so ergriffen, dass er in der örtlichen Zeitschrift ZEITLUPE (Nr. 136/08) einen reich bebilderten, anschaulichen Bericht über den von „Global Nature Fund“ 2005 zum bedrohten See des Jahres erklärten Viktoria-See veröffentlichte. Wissenschaftler hatten rechtzeitig vor den Folgen der Fischaussetzung mit nachfolgendem Artensterben gewarnt.
Der Viktoria-See ist 250 km breit, 337 km lang und wird umliegend von Tansania, Uganda und Kenia umgrenzt. Innerhalb von 30 Jahren wurden rund 400 verschiedene Fischarten von den enorm vermehrungsfähigen und 70 kg schweren, riesigen (jetzt) Viktoria-Barschen aufgefressen. Drei Mann tragen einen solchen Monster-Fisch. „Kleinere Fische, die von den Algen lebten, gibt es nicht mehr – die Algen vermehren sich und nehmen dem See den Sauerstoff“, schreibt Noack weiter. 2005 gingen, nach dem Bericht, 57.000 Tonnen Viktoria-Barsch, in dortigen Fabriken filettiert und verpackt, per Flugzeug in den Export. Der Abfall wird per LKW in die Slums gefahren und dort ausgekippt, damit die Armen die schon von Maden befallenen Fischabfälle noch als Nahrung verwehrten können. Während in den Fabriken nur wenige Menschen für wenig Geld arbeiten (Globalisierung genannt), ist der größte Teil der Bevölkerung verarmt – Wut und Hoffnungslosigkeit verbreiten sich. Die früheren Fischer und deren Familien haben weder Nahrung noch Arbeit.
In der Nordsee werden jetzt 2 Forschungsplattformen errichtet (Fino3 80 km westlich Sylt und Fino2 bei Borkum) und in der Ostsee eine (Fino2). Vielleicht helfen sie ja etwas mit, zumindest auf die Verschmutzungsprobleme hinzuweisen und vielleicht die dringende Säuberung zu fordern. Doch zunächst wird der Bau der Plattformen neue Verschmutzung bringen.
Die Gesellschaft zur Rettung der Delphine (GRD), die Gesllschaft zum Schutz der Meeressäugetiere (GSM) und Nabu Schleswig-Holstein warnten gleich nach Bekanntmachung des geplanten Baubeginns von Fino 3 vor einer massiven Schädigung des Lebensraumes der Schweinswale. Ausgerechnet in diesem Gebiet und ausgerechnet zur Zeit der Jungenaufzucht zu bauen widerspreche allen Naturschutzgedanken (ang am 31. 7. in HA).
Westlich von Sylt passiert aber noch viel mehr: Dort befindet sich das 5500 qkm große Außenriff, das "Natura 2000" Schutzgebiet. Trotzdem finden keine Maßnahmen zum Schutz der Fische und deren Nahrung statt. Im Gegenteil: Die Schleppnetzfischerei ist erlaubt und fischt alles ab. Greenpeace forderte Bundesumweltminister Gabriel (SPD) vergebens aus, den Fischfang, Kies und Sandabbau zur Zeit zu verbieten. Iris Menn von Greenpeace schrieb dazu: "Wir brauchen große Schutzgebiete, in denen sich die Artenvielfalt regenerieren kann." Als Beispiel führte sie ein Schutzgebiet der Adria an, an dessen Grenzen 10 Jahre nach Einführung des schutzgebietes 10 mal so viel Fisch gefangen wurde wie zuvor (dpa in HA 19. 8. 08). Greenpeace versenkte als letzte Rettung in einer großen Aktion mit Einsatz von fast 1 Mio € zum Schutz des Außenriffs rund 1000 Steinbrocken bis 1 cbm Größe im Meer.
Die Umweltstiftung WWF warnte (AP in HA 27. 2, 09) vor 9 kg Beifang bei 1 kg Nordseekrabben in den Netzen. WWW forderte bessere Netze, eine verkleinerte Flotte und die Schießung bestimmter Fangplätze.
Der isländische Fischereiminister Gudfinnon legte im Januar 2009 noch schnell vor seinem Ausscheiden gegen internationale Proteste eine neue Walfangquote fest: Jährlich 150 Finnwale (gefährdete Art) und 100 nördliche Zwergwale bis 2013. Sein Nachfolger Sigfusson bestätigte dies am 19. 2. 2009. Es werden wirtschaftliche Gründe angeführt, obwohl die nur 300.000 Isländer das Fleisch kaum verzehren. - Volker Homes vom WWF Deutschland: "In Japan wird der Walfleisch-Berg immer größer und gammelt heute schon ungenutzt vor sich hin." Jeglicher Handel mit Walfleisch verstößt gegen das Washingtoner Artenschutzabkommen (hs in ETD Nr. 8/09).
Weitere Ergebnisse der Überfischung: So betrug der Kabeljaubestand in der Nordsee 1970 250.000 to und 2006 40.000 to, bei der Nordseescholle waren es 1987 440.000 to und 2007 193.000 to. Bei der Ostseescholle war der Bestand 1980 56.000 to und 2007 22.900 to (Quelle WWF). Insgesamt sind Dorsch, Rotbarsch, Seezunge, Scholle und Mekrele in unseren Gewässern überfischt (siehe auch bund, wwf, greenpeace - Pro Umwelt Adressen). - Und weiter: Nur ein totaler Fangstopp kann noch den Roten Thunfisch im Mittelmeer retten (hi in HA 18. 11. 08).
Im Oktober 2008 stellte die Welternährungsorganisation FAO zusammen mit der Weltbank eine Studie vor: Die Überfischung der Meere kostet die Fischer jählich rund 50 Milliarden Dollar (ca. 37 Mrd. €) (AFP in HA 11./12. 10. 08).
WWF (siehe Pro Umwelt Adressen) rät dazu, Fisch mit dem Ökosiegel des "Marine Stewardship Council" (MSC-Produkt) zu kaufen, das weltweit Betriebe zertifiziert, die nicht zur Überfischung führen und das Ökosystem schonen. Die Hamburger Firma Friedrichs gehört beispielsweise dazu (Angebot von geräuchertem Wildlachs). Auch Edeka ist eine Kooperation mit dem WWF über MSC-Produkte eingegangen. Alexander Lüders sagte als Edeka-Sprecher dazu: "Unser Ziel ist es, bis 2011 nur noch Fisch aus nachhaltiger Fischerei anzubieten." Und die WWF-Fischexpertin Heike Vesper meinte resignierend: "Die Politik ist gescheitert. Was heute an Fischfangquoten festgelegt wird, ist doppelt so hoch, wie die wissenschaftlichen Empfehlungen."
Als "geringer" Ausweg wurden jetzt Aquakulturen erfunden, mit denen Meeresfische auch im Binnenland aufgezogen werden können. Siehe auch Zukunftsforschungen (dpa in HA 30. 12. 08). Unter dem Siegel von Naturland gibt es Fisch aus ökologischet Aquakultur: "Friends of the Sea" (FOTS).
WWF hat zu dem Problem der fehlenden Nachhaltigkeit seinen "WWF-Einkaufsratgeber Fisch- und Meeresfrüchte" herausgebracht, den man im Internet unter www.wwf.de/fisch herunterladen kann. Der Einkaufsführer beschreibt z. B. Fische , auf die lieber verzichtet werden sollte, wie Scholle aus der Ost- und Nordsee, Schellfisch aus dem Nordostatlantik, Aal: Wild- oder Zuchtbestände aus Europa, oder Seezunge aus dem Nordostatlantik. Die Fische werden in die Bereiche rot (nicht essen), gelb (evtl.) und grün (bedenkenlos und nachhaltig) eingeteilt.
Zu grün gehören beispielsweise: Alaska-Seelachs, gefangen im Nordost-Pazifik, mit MSC-Siegel, Forelle als Bio-Produkt aus Zuchten in Europa, Zander aus Wildbeständen in Westeuropa, mit MSC-Siegel und der Karpfen aus deutschen Zuchtbeständen. Viele weitere Fischsorten wurden genannt - doch dazu sollte man den Einkaufsratgeber nutzen (aus HA 23. 1. 09 v. Claudia Sewig).
Die Umweltstiftung WWF warnte davor, dass der Blauflossen-Thunfisch im Mittelmeer in 3 Jahren ausgerottet sein könnte. Sie beruft sich dabei auf eine eigene Analyse der Bestände und der Anzahl fortpflanzungsfähiger Thunfische. Die Bestände seien in 50 Jahren um 75 % geschrumpft (dpa in HA 17. 4. 09).
Fischratgeber im Internet: Von WWF: www.wwf.de , von Greenpeace: www.greenpeace.de .
Im Greenpeace-Ratgeber heißt es beispielsweise auch: "In Aquakultur-Ware finden sich häufig Rückstände von Antibiotika und Pestiziden. Fische mit hohem Fettanteil enthalten in der Regel eine höhere Konzentration an Giften."
Der Kieler Meeresbiologe Uwe Waller sagte Ende 2008 resignierend, dass drei Viertel der weltweiten Fischbestände überfischt oder bis an die Grenze befischt seien. "Wir werden nicht erreichen, dass sich die Bestände erholen. Es ist eine Katastrophe." -
Das Meer wird vermüllt (NA 1.13)
Die Katastrophe wird aber durch die Vermüllung der Meere noch viel schlimmer: Greenpeace weist in seinem Fischratgeber darauf hin: "Fische aus verschmutzten Gewässern - aus Flüssen, aus Küsten- und Binnenmeeren, wie der Ostsee, enthalten häufig mehr Schadstoffe als solche aus dem offenen Ozean. Ein Dauerbrenner unter den Fischschadstoffen ist das Quecksilber. Frauen in gebärfähigem Alter, Schwangere, Stillende und Kleinkinder sollten daher keine größeren Mengen Heilbutt, Thunfisch, Schwertfisch oder Hai essen..."
Zwecks Geldeinsparung für die Hafenentsorgung werfen sehr viele Kapitäne einfach ihren Müll auf hoher See ins Meer. Dies gilt auch für Kreuzfahrtschiffe, zu den Ausnahmen gehört dabei beispielsweise die "Deutschland" der Deillmann-Reederei. Nach Angabe des United Nations Environment Programme (UNEP) wird jedes Jahr die unglaubliche Menge von 6,4 Millionen Tonnen Müll in alle 7 Weltmeere gekippt oder aus Flüssen eingeleitet. Auf jedem Quadratmeter Meer schwimmen rund 46 000 Stück Plastikmüll (dpa in HA 8. 6. 09). In 20 Jahren landen also über 100 Millionen Tonnen Müll in den Ozeanen. Das Leben wird langsam aber sicher getötet. Wo sind die Ankläger?
Die Umwelt-Journalistin Angelika Hillmer überschrieb einen wahrhaftig erschreckenden Bericht (in HA 10. 6. 09) mit der Überschrift: "Plastikmüll geht durch den Magen" und beginnt dann gleich mit: "Selbst an einem abgelegenen Strand in Afrika, im Meer der Antarktis oder in der Mitte des Pazifiks stoßen Sie auf Abfall" - so beschreibt John Mouat von der Organisation KIMO, einem Umweltnetzwerk lokaler Behörden mit Sitz auf den Shetland-Inseln das Problem der Vermüllung der Meere.
Und weiter berichtet Frau Hillmer dazu: Etwa 70 % des Mülls besteht aus Plastik, von dem beispielsweise eine Plastikflasche 450 Jahr brauchen kann, bis sie verschwindet. Der Plastkmüll löst sich jedoch nicht auf, sondern wird zu Partikeln, die kleiner als 1 mm sein können. An ihnen lagern sich Schadstoffe an. Größere Plastikteile töten vor allem Seevögel, Meeressäuger und Fische, die mikroskopisch kleinen Teile die gesamte Meeresfauna, selbst Muscheln.
Südöstlich der Hawai-Inseln entdeckten Forscher 2009 einen fast unglaublichen Plastikmüllwirbel. 2010 berichtete die Organisation Sea Education Association (SEA) bei einem Treffen von Meeresforschern von einer riesigen Fläche Plastikmüll (dpa in HA 26. 2. 10) mit der größten Dichte nördlich der karibischen Inseln im Atlantik. Dort schwammen bis zu 200.000 Plastikstücke je Quadratkilometer Meeresoberfläche. Die meisten hatten nicht einmal 1 cm Durchmesser.
Am 25. 2. 10 hatte in vielen Orten ein Film über die Schattenseiten der Kunststoffe Kino-Premiere (siehe www.plastic-planet.de ). Angelika Hillmer berichtete am gleichen Tage (in HA) über die im Film gezeigten Schattenseiten unter anderem: "Mehr Plastik als Plankton in den Meeren. Auf jeden Quadratkilometer Ozean kommen 18.000 Teile Kunststoff, schätzen UN-Experten. Eine Gefahr für die Umwelt.... Nicht Muscheln und Algen säumen das Meer, sondern eine Flut von Plastikteilen. Etwa 80 % stammen vom Festland, der Rest von Schiffen und Offshore-Konstruktionen."
"In der Nordsee dient der Eissturmvogel als Indikator für das Müllproblem. Es gilt das Umweltziel, dass in den Mägen von höchstens 10 % aller aufgefundenen Vögel mehr als 0,1 Gramm Plastik zu finden sein soll. Derzeit liegt die Quote zwischen 40 und 80 %."
Die Artenschutzorganisation Pro Wildlife trug zur Jahrestagung der Internationalen Walfangkommission (22.- 26. 6. 09 auf Madeira) internationale Forschungsergebnisse zusammen: Das Fleisch von Walen und Delfinen ist danach oft ungenießbar. Grenzwerte für Quecksilber, PCB und DDT würden zum Teil 5000-fach überschritten. Volksgruppen in Kanada, Gönland, Alaska u. a., die dieses Fleisch häufig essen, leiden dadurch öfter an Gedächtnisstörungen, Parkinson und Immunschwäche (dpa/ 10. 6. 09 in HA).
Immer wieder werden neue alarmierende Erkenntnisse zum Plastikmüll bekannt: Kunststoffe zersetzen sich unter dem Einfluss der Sonne und anderen Faktoren. Dabei werden giftige Chemikalien wie Bisphenol A und Oligomere frei. Dies zeigte eine Studie, die auf dem Jahrestreffen 2009 der Amerikanischen Chemischen Gesellschaft vorgestellt wurde. Katsuhiko Saido von der Nihon-Uni in Chiba (Japan) sagte dabei: "Plastik im Ozean stellt eine Quelle der globalen Kontamination dar, die in der Zukunft andauert." (AP in HA 21. 8. 09)
Anlässlich des Internationalen Tages des Meeres forderte die Biologin Silvia Gaus von der Schutzstation Wattenmeer in Husum eine kostenlose Abfallentsorgung in deutschen Häfen. "Die Hauptquelle der jährlich 20.000 Tonnen Nordseemüll ist der Schiffsverkehr." Jedes Jahr verenden dadurch Tausende von Robben, Schweinswalen und Vögeln. Die Untersuchung des angeschwemmten Treibguts ergab, dass beim Müll die Plastikabfälle einen großen Anteil ausmachen würden. Dadurch seien auch die Menschen gefährdet. Fische und Muscheln nähmen das Plastik auf, und über die Nahrungskette lande es dann wieder beim Menschen (dpa in HA 9. 6. 10). Am gleichen Tage brachte t-online die BfR-Warnung vor dem Quecksilbergehalt in Fischen aus der See, wie Heilbutt, Steinbeißer und Rotbarsch. Seelachs sei dagegen (noch) wenig belastet.
Das Mehr an Meeres-Kreuzfahrtschiffen bringt also, zumindest bei den nicht in Häfen entsorgenden Schiffen, auch ein Mehr an Lebensgrundlagen-Abbau.
Das Leben wird getötet (NA 1.14)
Unsere früher sauerstoff- und fischreichen Meere werden durch Verschmutzung und Überfischung langsam - und immer schneller werdend - zerstört, wenn nicht ein unglaublicher Wandel eintritt. Dies unterstreicht die FOCUS-Meldung (Nr. 34/2008) über den "Sieg des Schleims".
Der Meeresbiologe Jeremy Jackson vom kalifornischen Scpipps-Institut für Ozeanografie stellte in einer neuen Studie die bestürzende Entwicklung der Meere vor: Die Fische und andere hohe Tiere verschwinden, dafür wächst dort "Schleim" aus Mikroben, giftigen Algenblüten und Quallen. Ursache sind die Überfischung, Zerstörung maritimer Lebensräume und Erwärmung. Besonders schlimm:
Die Versauerung und Verschmutzung des Wassers durch Düngemittel aus der Landwirtschaft lösen lt. Jackson ein Massensterben aus, das denen vergangener Erdzeitalter gleicht.
Am 12. 11. 08 wird dies durch die Meldung ergänzt, dass immer größere Meeresteile ohne Sauerstoff und dann auch ohne Leben sind. Zusätzlich zur zunehmenden Versauerung der Ozeane werden sich die sauerstoffarmen Zonen infolge des Klimawandels deutlich ausbreiten, in denen kein höheres Leben mehr möglich sein wird. Die Studie, unter Federführung des Kieler Instituts für Meereswissenschaften (IfM-Geomar), berichtet in "Global Biogeochemical Cycles": "Unsere Untersuchungen zeigen eine Ausbreitung der sauerstoffarmen Zonen um bis zu 50 % bis zum Ende dieses Jahrhunderts."
Bei der 1. Welt-Ozean-Konferenz (Anfang 2009) mit 5.000 Experten in Manado (Indonesien) wurden die Schreckensfolgen der Meeres-Versauerung durch Treibhausgase festgestellt. Der stellvertretende Direktor der US-Behörde für Ozeanografie, Richard Spinrad, sagte, dass die Meere jeden Tag 22 Millionen Tonnen Treibhausgase absorbieren. Das sind 50 mal so viel wie durch die Atmosphäre. Die Meere seien wegen des immer höheren CO2-Gehalts 30 % saurer als vor 100 Jahren (dpa/hi in HA 09).
Die Ozeane versauern also schneller als vermutet, wie auch US-Forscher der Akademie der Wissenschaften herausfanden. Vor allem Muscheln, Krebse und andere Kalk bildende Lebewesen sind gefährdet (dpa 25. 11. 08 in HA). Rund ein Viertel des zusätzlich von Menschen produzierten Kohlendioxyds nehmen die Ozeane auf. Dort verwandelt es sich in Kohlensäure. Die Meere versauern mehr und mehr (Heike Soleinsky in ETD Nr. 6/09). Das Leben dort und damit zukünftig das Leben der Menschen werden auch von dort bedoht.
Anm.: Bei steigendem Kohlendioxydgehalt in der Atmosphäre und der Luft löst sich davon mehr in der Wasseroberfläche der Ozeane. Dabei entsteht auch Hydrogenkarbonat und setzt dabei ein Proton (H) Wasserstoff frei, das wiederum den Säuregrad des Wassers erhöht. Dies greift wiederum Kalk an. Organismen mit Kalkmantel, wie Muscheln z. B., wird dadurch der Schutz verringert.
Um das Kohlendioxyd unschädlich zu machen, wurde im subarktischen Nordpazifik das Meer zu Versuchszwecken mit Eisen gedüngt. Kanadische- und US-Forscher warnten davor, das dies wiederum durch Umwandlung zu einer gefährlichen Belastung mit Nervengiften führen könnte (dpa in HA 20./21. 4. 10).
Gleichzeitig mit der zusätzlichen Meereserwärmung wird die Sauerstoffabgabe der Meere verringert. Wichtige Lebensgrundlagen werden zerstört. Beispielsweise ist die Oberflächentemperatur der Nordsee seit den 1980er Jahren um 1 Grad auf jetzt durchschnittlich 11 Grad gestiegen, wie das Bundesamt für Seeschiffahrt und Hydrographie (BSH) Anfang April 2009 meldet.
Versuche von Forschern der US-University of North Carolina zeigten, dass bereits geringe Veränderungen der Wassertemperaturen (durch die Klimaerwärmung) in den Ozeanen die Nahrungsnetze und die Vielfalt des Lebens im Meer dramatisch verändern können (www.plos.org ). (ang in HA 24. 8. 09)
Der Klimawandel versauert durch das Kohlendioxyd nicht nur die Meere, sondern löst dann auch die Korallenriffe auf. Steigt der Kohlendioxydgehalt in derAtmosphäre auf das doppelte der vorindustriellen Werte, sei das Wachstum der Korallen gestoppt. Sie beginnen sich aufzulösen. Bislang sei der Wert um 1/3 gestiegen (dpa in HA 6. 4. 09).
Auch die Fischer in Mecklenburg-Vorpommern spüren bereits den Klimawandel: Um 30 % ging der Heringsfang zurück. Andererseits wurde - und dies ist langfristig sicher auch für die Fischerei positiv - durch die EU ihre Fischfangquote um jährlich rund 20-30 % gesenkt (dpa in HA 4. 3. 09). Ein Problem bleibt dabei, dass sich andere EU-Länder oft nur um Brüssel kümmern, wenn es für sie positiv ist.
Das alles aber reicht uns Menschen noch nicht, um das Leben im Meer mittelfristig dauerhaft auszulöschen: Wegen der noch ungelösten Atommüllentlagerung werden die Reststoffe der Wiederaufbereitungsanlagen z. B. in Frankreich z. T. einfach im Atlantik versenkt.
Zur Endlagerung radioaktiver Abfälle siehe auch Energiealternativen?
Meeresforscher aus sieben Ländern warnten im September 2011 vor Tiefseefischerei. "Die dortigen Fischbestände könnten viel schneller vernichtet werden als die Bestände in küstennahen Gewässern", sagte Rainer Froese vom Leibnitzs-Institut für Meereswissenschaften in Kiel. Er forderte, zusammen mit Kollegen aus USA, Kanada; Großbritannien, Portugal, der Schweiz und Neuseeland, die Tiefseefischerei bis auf wenige Ausnahmen einzustellen. "In der Tiefsee konzentriere sich das Leben an wenigen Orten. Diese Oasen seien schnell zerstört" (epd in HA 14. 9. 11).
Der 20. April 2010: Öl verbreitet sich überall (NA 1.15)
Am 20. April 2010 schloss sich bei einem Ölunfall im Golf von Mexiko das Ventil der BP-Ölplattform "Deepwater Horizon" nicht wie geplant. Die Ölplattform explodierte. An der Ölbohrung waren auch (lt. HA Uwe Schmitt 25. 5. 10) die Konzerne Halliburton (USA) und Transocean (Schweiz) beteiligt.
Nach erst über 2 Wochen wurde versucht, das Öl durch eine 13 m hohe Stahlkuppel aufzufangen, um es dann abzusaugen. Doch setzten sich darin Kristalle aus Öl und kaltem Wasser ab, die die Absaugöffnung verstopften
Weil dieser erste Versuch mislang, versuchte man es noch einmal mit einem kleinen 1,5 m Stahlbeton Zylinder, der mit Warmwasser beheizt wurde. Dann sollte Öl in Schiffe abgepumpt werden (afp/dpa in HA 14. 5. 10). BP versprühte sehr bald mit Hilfe von Herkules-Transportflugzeugen 2,2 Mio Liter "Corexit 9500 A" zusammen mit "Corexit 9527 A" der Firma Nalco, die dadurch über 40 Mio $ Umsatz machte und in dessen Aufsichtsrat wiederum BP sitzen sollte (tagesschau.de/ausland/oelpest am 22. 5. 10)
Am 18. 5. 10 (also fast 1 Monat nach dem Ölaustritt) meldete SPIEGEL ONLINE, dass wohl täglich 2000 der ausströmenden rund 5000 Barrel aufgefangen werden würden. Aber inzwischen hatten die riesigen ausgelaufenen Ölmengen eine starke Meeresströmung erreicht, die dann den Dreck wohl zunächst nach Kuba und Florida tragen wird - "die Folgen sind kaum absehbar".
Das Klima von Mitteleuropa wird weitgehend durch den Golfstrom bestimmt. Das Öl kann durchaus den Nordatlantik und dessen Leben venichten und damit zusätzlich das Klima Europas und der gesamten Erde negativ verändern.
Drei Monate später hieß es dann, es wären täglich 9,5 Millionen Liter Öl pro Tag ausgetreten. Davon waren für eine kürzere Zeit (rund 1 Monat) allerdings 2,6 Millionen Liter abgesaugt worden.
Rechnen wir mal zusammen:
9,5 Mio Liter Öl sind 9.500 cbm x 60 Tage = 570.000 cbm
+ 6,9 Mio Liter Öl = 6.900 cbm x 30 Tage = 207.000 cbm
Zusammen bis 22. Juni 2010 ......................= 777.000 cbm
Bis Mitte Juli 2010 sind es dann rund...........1.000.000 cbm (1.000.000 qm = 1 qkm)
Bei 0,50 m Öldicke im Golf von Mexiko mit rund 300.000 qkm = ca. der Größe Italiens (mit 301.230 qkm) wären dann 2 qkm mit Öl bedeckt, bei nur 25 cm Dicke der Ölschicht wären es 4 qkm, die zunächst die gesamte Florida-Küste mit Hotels, Fischerei und Lebewesen verseuchen würden. Die Luftaufnahmen zeigten aber Ende Juni 2010 ca. 80 qkm statt 4 qkm des Golfs bedeckt. Möglicherweise ist also viel mehr als angegeben ausgetreten.
Am 16. Juli 2010 meldete t-online schon am Morgen: Das Loch sei dicht. Und BILD schrieb groß: "Um 22.12 Uhr MESZ trat kein Öl mehr in den Golf von Mexiko aus."
Doch sollen zur Sicherheit Ende Juli oder Anfang August Entlastungsbohrungen folgen. "Zunächst bleibt das Leck in 1500 m Tiefe lediglich zu Testzwecken von 6-48 Stunden geschlossen. Est dann ist klar, ob die Ventile auch dauerhaft halten."
Nächster Abschnitt: Spurengase+Erwärmung.
(Ki)